Demokratie

Ein Auszug aus unserer Konzeption:

Demokratische Schule – Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit

Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – das sind große Worte. Als Organisationsprinzipien des Staates werden sie von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland anerkannt und für gut befunden. Dennoch sind diese Prinzipien für die meisten Menschen nicht Bestandteil ihres alltäglichen Lebens. Weit weniger ausgeprägt ist eine freiheitlich-demokratische Kultur, in der alle Menschen einander als gleichwertig und gleichberechtigt anerkennen, in der sie Rücksicht auf die Freiheit anderer nehmen, Minderheiten achten, Machtansprüche hinterfragen und im Alltag gleichberechtigt über ihre gemeinsamen Angelegenheiten entscheiden – und das als selbstverständlich ansehen. Eine solche Kultur braucht eine hinreichend große Zahl von Menschen, die zu ihren Überzeugungen stehen, sich gesellschaftlich engagieren, sich für Schwächere einsetzen und Zivilcourage zeigen.

Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – das sind große Worte. Als Organisationsprinzipien des Staates werden sie von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland anerkannt und für gut befunden. Dennoch sind diese Prinzipien für die meisten Menschen nicht Bestandteil ihres alltäglichen Lebens. Weit weniger ausgeprägt ist eine freiheitlich-demokratische Kultur, in der alle Menschen einander als gleichwertig und gleichberechtigt anerkennen, in der sie Rücksicht auf die Freiheit anderer nehmen, Minderheiten achten, Machtansprüche hinterfragen und im Alltag gleichberechtigt über ihre gemeinsamen Angelegenheiten entscheiden – und das als selbstverständlich ansehen. Eine solche Kultur braucht eine hinreichend große Zahl von Menschen, die zu ihren Überzeugungen stehen, sich gesellschaftlich engagieren, sich für Schwächere einsetzen und Zivilcourage zeigen.

Von 2002 bis 2007 lief das Schulentwicklungsprogramm „Demokratie lernen und leben“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung. Darin heißt es gleich zu Beginn: „Die Schule hat als einzige Institution die Chance, alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen und für die Demokratie zu gewinnen“3. Das Programm sollte vor allem „durch die Demokratisierung von Unterricht und Schulleben die Bereitschaft junger Menschen zur aktiven Mitwirkung an der Zivilgesellschaft fördern“4.

2005 war das Europäische Jahr der Demokratieerziehung des Europarats. In diesem Rahmen wurde eine Europäische Charta für eine demokratische Schule ohne Gewalt erarbeitet. Darin heißt es:
„1. Alle Mitglieder der Schulgemeinschaft haben das Recht auf eine sichere und friedliche Schule. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, dazu beizutragen, dass ein positives und anregendes Umfeld für das Lernen und die Entwicklung der Persönlichkeit geschaffen wird.
2. Jede einzelne Person hat das Recht auf eine gleichwertige Behandlung und gegenseitigen Respekt, ungeachtet jeglicher persönlicher Unterschiede.
3. Die Schulgemeinschaft stellt sicher, dass jeder sich seiner Rechte und Pflichten bewusst ist.
4. Jede demokratische Schule hat ein demokratisch gewähltes Entscheidungsgremium, das sich aus Vertretern der Schülerschaft, der Lehrerschaft, der Eltern und, wo erforderlich, aus anderen Mitgliedern der Schulgemeinschaft zusammensetzt. Alle Mitglieder dieses Gremiums sind berechtigt, mit abzustimmen.
5. In einer demokratischen Schule werden Konflikte auf eine gewaltfreie und konstruktive Art und Weise in Zusammenarbeit aller Mitglieder der Schulgemeinschaft gelöst. [...]
6. Jeder Fall von Gewalt wird sofort untersucht und bearbeitet. Ihm wird nachgegangen, unabhängig davon, ob Schüler oder irgend ein anderes Mitglied der Schulgemeinschaft darin verwickelt sind.
[...]“5

Die Herausbildung eines Wertesystems bei Kindern und Jugendlichen wird erheblich durch die Umgebung beeinflusst, in der sie sich aufhalten. Einen großen Teil ihrer Zeit verbringen Kinder und Jugendliche in der Schule. Da uns die Freiheit des Einzelnen, demokratische Verfahrensweisen, Rechtsstaatlichkeit und die Gleichberechtigung aller Menschen als selbstverständliche Grundlage eines Gemeinwesens wichtig sind, sollten diese Werte für Kinder und Jugendliche im Alltag direkt erlebbar sein, was durch in dieser Weise arbeitende Schulen realisiert wird.

So heißt es im Berliner Rahmenlehrplan Grundschule für das Fach Politische Bildung:
„Demokratie muss gelernt, gelebt und eingeübt werden. Ob Kinder Demokratie verstehen und ob sie Demokratie wichtig finden, hängt davon ab, wie selbstverständlich demokratische Überzeugungen und demokratisches Verhalten auch ihren Alltag in der Schule prägen. Demokratie darf den Schülerinnen und Schülern nicht nur als Lerngegenstand erscheinen, sie müssen sie auch als Lebensform erfahren. Gerade diese letzte Forderung kann das Unterrichtsfach Politische Bildung allein nicht erfüllen. Es ist dabei auf alle Fächer und die Schule insgesamt angewiesen. Um Demokratie im schulischen Alltag erleben zu können, sind eine Schulkultur und ein Schulklima erforderlich, in denen sich möglichst viele und vielseitige Kommunikations-, Kooperations- und Beteiligungsstrukturen entwickeln können.“6

Demokratie ist eine sinnvolle Struktur, um das Zusammenleben von Menschen zu organisieren. Jeder Einzelne kann sich einbringen und jede Stimme zählt. Damit ist sie Ausdruck der Gleichberechtigung aller Beteiligten. Zudem führen demokratische Verfahrensweisen auch zu besseren Ergebnissen als einsam gefällte Entscheidungen, weil die Ansichten von mehr Menschen einfließen und Schwachstellen des ursprünglichen Entwurfs eher aufgedeckt werden.

Dabei gibt es analog zu freiheitlichen Verfassungen übergeordnete Regeln, die dafür sorgen, dass die grundlegenden Freiheiten eines Jeden unangetastet bleiben.
Zur Demokratie gehört auch die Durchsetzung der getroffenen Beschlüsse. Um die Einhaltung demokratisch beschlossener Regeln durchzusetzen, bedarf es eines Justizwesens, welches rechtsstaatlichen Grundsätzen entspricht.

Ein Rechtssystem, in dem niemand Willkür befürchten muss, schafft Vertrauen in die Rechtsordnung und schärft das Rechtsbewusstsein. Wenn Schüler sich mit Hilfe eines Rechtssystems gegen Übergriffe wehren und berechtigte Ansprüche durchsetzen können, beugt das Gewalttätigkeiten vor und nützt den jeweils Schwächeren.

Eine Demokratische Schule ist ein Ort der gegenseitigen Achtung: Da jeder Schüler seinen selbstgesetzten Zielen nachgeht, existiert eine Vielfalt an Aktivitäten, Einstellungen und Ansichten. Jeder wird in seinem Denken, Handeln und Sein respektiert, solange er die Schulregeln einhält. Wer die Erfahrung macht, respektiert zu werden, respektiert mit größerer Wahrscheinlichkeit auch andere.

Auch die Freiheit des Einzelnen ist ein zentraler Bestandteil einer Demokratischen Schule. Die eigene Freiheit wird durch die Freiheit des anderen begrenzt, der sich auf die gleichen Rechte berufen kann. Auf welche Rechte man sich dabei berufen kann, ergibt sich aus den gemeinsam beschlossenen Schulregeln und der Satzung des Trägervereins der Schule.

Freiheit geht zwingend einher mit Verantwortung. Wenn man Verantwortung für Bereiche des eigenen Lebens trägt, dann besteht diese Verantwortung nur gegenüber einem selbst. Das heißt, man muss sich für Folgen der eigenen Entscheidungen einerseits vor niemand anderem rechtfertigen, aber man kann andererseits für Fehlentscheidungen auch nicht andere verantwortlich machen. Betreffen Entscheidungen hingegen die Gemeinschaft, ist der Einzelne auch gegenüber der Gemeinschaft verantwortlich und somit Rechenschaft schuldig. In jedem Fall bedeutet Verantwortung, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und Entscheidungen zu treffen. Dabei wird man mitunter Fehler machen, aus denen man jedoch auch lernt.

Von niemandem kann erwartet werden, dass er die Verantwortung für etwas übernimmt, wenn er nicht auch die Freiheit erhält, Entscheidungen darüber zu treffen. Ohne Freiheit kann es keine Verantwortung geben.

Eine konsequent freie und demokratische Schule funktioniert so wie eine demokratische Gesellschaft idealerweise funktionieren sollte: umfassende Handlungsfreiheit, gemeinsame Beschlussfassung nach demokratischen Grundsätzen, ein faires Rechtssystem, Verantwortung für das eigene Handeln. Damit trägt eine solche Schule besonders dazu bei, eine demokratische Kultur zu stärken.

Fußnoten:
zu 3 u. 4: BLK Demokratie lernen & leben: BLK-Programm „Demokratie lernen & leben“; http://www.blk-demokratie.de (Abgerufen: 07.02.2005).
zu 5: Europarat: Europäische Charta für eine demokratische Schule ohne Gewalt; http://www.coe.int/t/e/integrated_projects/democracy/02_Activities/15_European_School_Charter/04_G_German.asp (Abgerufen: 07.02.2005).
zu 6: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Senatsverwaltung für Schule,
Jugend und Sport Berlin (Hg.): Rahmenlehrplan Politische Bildung Grundschule;
http://www.sensjs.berlin.de/schule/rahmenplaene/Rahmenplan/polit_bildung.pdf (Abgerufen: 07.02.2005).