Erfüllung der Bildungs- und Erziehungsziele

Als Schule im Land Berlin gelten für uns die Bildungs- und Erziehungsziele, die in den §§ 1 und 3 des Schulgesetzes für das Land Berlin vom 15. Januar 2004 niedergeschrieben sind.1 Im Folgenden legen wir dar, auf welche Weise die Schüler unserer Schule diese Bildungs- und Erziehungsziele erreichen.

„§ 1 Auftrag der Schule ist es, alle wertvollen Anlagen der Schülerinnen und Schüler zur vollen Entfaltung zu bringen [...]“

Zu den wertvollen Anlagen, die Kinder von Natur aus mitbringen, gehören ihre Lebendigkeit, Neugierde, Lernfreude und Offenheit für neue Dinge und andere Menschen. Diese Eigenschaften entfalten sich am besten in einer freiheitlichen und demokratischen Umgebung.

„[...] und ihnen ein Höchstmaß an Urteilskraft, [...]“

Zu einem Höchstmaß an Urteilskraft gelangen die Schüler unserer Schule, indem sie ständig selbst Entscheidungen über ihre Tätigkeiten treffen und dazu ihre jeweilige Lage beurteilen müssen.

„[...] gründliches Wissen und Können zu vermitteln.“

Zu gründlichem Wissen und Können gelangen unsere Schüler, weil sie sich aus eigener Motivation mit den Dingen dieser Welt auseinandersetzen. Wissen, das nicht aus eigenem Antrieb heraus gelernt wird, bleibt dagegen zumeist oberflächlich und wird entsprechend schnell vergessen.

„Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten sowie das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie, [...]“

Der beste Ort, um Demokratie wertschätzen zu lernen, ist eine Schule, die selbst konsequent demokratisch organisiert ist.

„[...] des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde, der Gleichstellung der Geschlechter und im Einklang mit Natur und Umwelt zu gestalten.“

In der Demokratischen Schule X genießen die Schüler umfassende Handlungsfreiheit. Die Schüler nutzen diese Freiheit und entwickeln eine grundsätzlich positive Einstellung zu ihr. Die Erfahrung zeigt, dass junge Menschen, die eine Demokratische Schule besuchen, sich nicht gegen den Frieden oder gegen die Menschenwürde wenden.

„Diese Persönlichkeiten müssen sich der Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit bewusst sein [...]“

Demokratische Schulen legen großen Wert auf verantwortliches Handeln. Schüler jeden Alters tragen die Verantwortung für ihre Handlungen gegenüber den anderen Mitgliedern der Schulgemeinschaft. Dieser Anspruch wird auch durch das Rechtssystem der Schule unterstrichen. Dadurch sind sich die Schüler auch außerhalb der Schule ihrer Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber bewusst.

„[...] und ihre Haltung muss bestimmt werden von der Anerkennung der Gleichberechtigung aller Menschen, [...]“

Die Gleichberechtigung aller Menschen ist ein wesentlicher Grundsatz einer Demokratischen Schule. Über die im Grundgesetz benannten Kriterien hinaus darf in unserer Schule insbesondere niemand aufgrund seines Lebensalters diskriminiert werden.

„[...] von der Achtung vor jeder ehrlichen Überzeugung und von der Anerkennung der Notwendigkeit einer fortschrittlichen Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse sowie einer friedlichen Verständigung der Völker. Dabei sollen die Antike, das Christentum und die für die Entwicklung zum Humanismus, zur Freiheit und zur Demokratie wesentlichen gesellschaftlichen Bewegungen ihren Platz finden.“

In einer Demokratischen Schule findet alles „seinen Platz“. Die Schüler können sich intensiv mit geschichtlichen, religiösen, humanistischen und gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen. Letztendlich ist die Demokratische Schule X ein Ergebnis der oben genannten geschichtlichen Entwicklung und Ausdruck einer fortschrittlichen Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

㤠3 Bildungs- und Erziehungsziele
(1) Die Schule soll Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen vermitteln, die die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen, ihre Entscheidungen selbstständig zu treffen und selbstständig weiterzulernen, um berufliche und persönliche Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, das eigene Leben aktiv zu gestalten, verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen und die Zukunft der Gesellschaft mitzuformen.“

Die Erfahrung der bisher bestehenden Demokratischen Schulen zeigt, dass Schüler solcher Schulen sehr geübt darin sind, Entscheidungen eigenständig zu treffen und während ihres weiteren Lebens selbstständig weiter zu lernen. Sie sind als Erwachsene erfolgreich in ihrer weiteren Ausbildung und in ihren Berufen, sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand und engagieren sich überdurchschnittlich häufig in der Gesellschaft.

„(2) Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen,
1. für sich und gemeinsam mit anderen zu lernen und Leistungen zu erbringen [...]“

Schüler arbeiten in Demokratischen Schulen an authentischen Aufgaben – an Aufgaben, die sich aus ihren Interessen und aus den Herausforderungen des Lebens ergeben. Da diese Aufgaben unmittelbar mit ihnen zu tun haben, bringen die Schüler ihr Leistungspotential wirklich ein. Sie zeigen ein beachtliches Maß an Ausdauer, Konzentration und Perfektionsstreben.

Aus dieser zunächst vor allem auf ihre selbstgewählten Projekte bezogenen Leistungsbereitschaft der Schüler entsteht mit der Zeit eine generelle Leistungsfähigkeit und Verantwortlichkeit, die sich dann auch auf Bereiche erstreckt, die nicht zu ihren unmittelbaren Interessen gehören. Dabei befinden sich die Schüler in einer Schule, die sich als Gemeinschaft versteht. Persönliche und gemeinschaftliche Interessen müssen miteinander abgestimmt werden. Lernen und Leistung bleiben somit nicht nur auf die engen Grenzen der eigenen Person bezogen.

„[...] sowie ein aktives soziales Handeln zu entwickeln, [...]“

Die Schüler verbringen einen großen Teil ihrer Zeit an der Schule im unmittelbaren Austausch mit anderen Schülern, etwa wenn sie gemeinsam an einer Sache arbeiten, Gespräche führen, ein Schüler dem anderen etwas erklärt oder auch wenn sie spielen. Die Schüler sind überwiegend daran interessiert, gut miteinander auszukommen und unterstützen einander. Sie schätzen die Schule als einen Ort des Miteinanders.

Durch die Altersmischung beschränken sich die sozialen Kontakte in der Schule nicht auf Gleichaltrige.

Auch die Übernahme von Verantwortung für die Schulgemeinschaft als Zuständige für eine Sache, in Komitees oder Arbeitsgemeinschaften ist eine Form des aktiven sozialen Handelns.

„2. sich Informationen selbstständig zu verschaffen und sich ihrer kritisch zu bedienen, [...]“

Wenn Schüler selbst die Kontrolle über ihr Lernen haben, ist es für sie unerlässlich, sich Informationen selbstständig zu verschaffen. Dies zählt zu den zentralen Fähigkeiten, die Schüler an unserer Schule erwerben. Die Schule verfügt über eine umfassende Bibliothek und Computer für Internet- und andere Recherchen.

„[...] eine eigenständige Meinung zu vertreten und sich mit den Meinungen anderer vorurteilsfrei auseinander zu setzen, [...]“

Kinder und Jugendliche haben zu vielen Dingen, die in ihrer Umgebung geschehen, eine eigene Meinung. In unserer Schule können sie über alle die Schule betreffenden Dinge mitbestimmen und haben somit die Möglichkeit, effektiv Dinge so zu ändern, wie sie es wollen. Dies motiviert sie sehr, ihre Meinung zu äußern und sich für das als richtig und gegebenenfalls notwendig Erkannte einzusetzen. So treffen die Schüler sowohl in Alltagssituationen als auch in der Schulversammlung auf Menschen, die ihre Meinung vertreten. Die Schüler müssen sich demzufolge mit unterschiedlichen Positionen und Ansichten auseinandersetzen.

„3. aufrichtig und selbstkritisch zu sein und das als richtig und notwendig Erkannte selbstbewusst zu tun, [...]“

Da es in unserer Schule mehr um Kooperation als um Konkurrenz zwischen den Schülern geht, fühlen sie sich freier, eigene Schwächen einzugestehen und Kritik nicht als gegen ihre gesamte Person gerichtet zu sehen, sondern mit ihr konstruktiv umzugehen. Auch das Rechtssystem leistet einen wichtigen Beitrag zu Aufrichtigkeit und Selbstkritik. Da sich Schüler in Demokratischen Schulen nicht an vorgegebenen Maßstäben und Lernzielen orientieren müssen, sind sie es gewohnt, selbstständig zu denken und gemäß ihrer eigenen Überzeugungen zu handeln.

„4. die eigenen Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeiten sowie musisch-künstlerischen Fähigkeiten zu entfalten und mit Medien sachgerecht, kritisch und produktiv umzugehen, [...]“

Eine Umgebung, in der Schüler selbst entscheiden, welchen Tätigkeiten sie nachgehen, ist sehr gut geeignet, um die eigenen Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeiten zu entwickeln. In einer Schulumgebung, in der sie nicht vorrangig den Erwartungen anderer genügen müssen, finden viele Schüler eine innere Ruhe und Gelassenheit, durch die sie sich selbst und ihre Umwelt besonders aufmerksam wahrnehmen. Zudem erfordert und fördert das Einbringen der eigenen Position in die demokratisch geregelte Gemeinschaft ein hohes Maß an Reflexionsvermögen und Ausdrucksfähigkeit. Auch für die Entfaltung der musisch-künstlerischen Fähigkeiten sind Demokratische Schulen gut geeignet: In den bestehenden Schulen zählen unter anderem Zeichnen, Töpfern und Musikmachen zu den beliebtesten Tätigkeiten. Die Schüler üben sich außerdem im Umgang mit Medien und unterziehen auch die Medieninhalte einer kritischen Prüfung.

„5. logisches Denken, Kreativität und Eigeninitiative zu entwickeln, [...]“

Da niemand den Schülern die Entscheidung über ihr Lernen und ihre Tagesgestaltung abnimmt, entwickeln sie ein Höchstmaß an Eigeninitiative. Ihrer Kreativität sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Durch das alltägliche Problemlösen wird das logische Denken der Schüler umfassend gefördert.

„6. Konflikte zu erkennen, vernünftig und gewaltfrei zu lösen, sie aber auch zu ertragen, [...]“

Mit dem Justizkomitee verfügt unsere Schule über eine Einrichtung, die für die gewaltfreie und faire Austragung von Konflikten wie geschaffen ist.

„7. Freude an der Bewegung und am gemeinsamen Sporttreiben zu entwickeln.“

Kinder, deren Bewegungsfreiheit nicht eingeengt ist, sind lebendig und haben Freude an der Bewegung.
In den bestehenden Demokratischen Schulen sind Fußball, Basketball und andere, auch selbst ausgedachte Sportarten als gemeinschaftliche Betätigung unter den Schülern sehr beliebt. Aufgrund der Altersmischung ist der Spaß am gemeinsamen Sporttreiben dabei wichtiger als das Ausleben von sonst üblichem Konkurrenzverhalten und Dominanzstreben.

„(3) Schulische Bildung und Erziehung sollen die Schülerinnen und Schüler insbesondere befähigen,
1. die Beziehungen zu anderen Menschen in Respekt, Gleichberechtigung und gewaltfreier Verständigung zu gestalten sowie allen Menschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen,
2. die Gleichstellung von Mann und Frau auch über die Anerkennung der Leistungen der Frauen in Geschichte, Wissenschaft, Wirtschaft, Technik, Kultur und Gesellschaft zu erfahren,
3. die eigene Kultur sowie andere Kulturen kennen zu lernen und zu verstehen, Menschen anderer Herkunft, Religion und Weltanschauung vorurteilsfrei zu begegnen, zum friedlichen Zusammenleben der Kulturen durch die Entwicklung von interkultureller Kompetenz beizutragen und für das Lebensrecht und die Würde aller Menschen einzutreten,
4. ihre Aufgaben als Bürgerinnen und Bürger in einem gemeinsamen Europa wahrzunehmen,
5. die Auswirkungen des eigenen und gesellschaftlichen Handelns auf die natürlichen lokalen und globalen Lebensgrundlagen zu erkennen, für ihren Schutz Mitverantwortung zu übernehmen und sie für die folgenden Generationen zu erhalten,
6. die Folgen technischer, rechtlicher, politischer und ökonomischer Entwicklungen abzuschätzen sowie die wachsenden Anforderungen des gesellschaftlichen Wandels und der internationalen Dimension aller Lebensbezüge zu bewältigen,
7. ihre körperliche, soziale und geistige Entwicklung durch kontinuierliches Sporttreiben und eine gesunde Lebensführung positiv zu gestalten sowie Fairness, Toleranz, Teamgeist und Leistungsbereitschaft zu entwickeln,
8. ihr zukünftiges privates, berufliches und öffentliches Leben in Verantwortung für die eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen auszugestalten, Freude am Leben und am Lernen zu entwickeln sowie die Freizeit sinnvoll zu nutzen.“

Die Punkte eins bis acht beschreiben Grundlagen für das Zusammenleben von Menschen in einer humanistisch ausgerichteten Gesellschaft. Eine Demokratische Schule als kleines Modell einer demokratisch geregelten Gemeinschaft ist ein idealer Ort, sich diese Grundlagen des menschlichen Verhaltens anzueignen. Eine Umgebung, in der Schüler selbst entscheiden, welche Dinge sie wann wie lernen, ist bestens dazu geeignet, die natürliche Freude am Lernen zu erhalten und sie besonders zu fördern.

Zusammenfassend kommen wir zu dem Ergebnis, dass die Demokratische Schule X die Bildungs- und Erziehungsziele des Landes Berlin in vollem Umfang und in besonderem Maße erfüllt.