FAQ

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Lernen
Mitbestimmung

Allgemeines

Was sind Demokratischen Schulen?
Demokratische Schulen zeichnen sich durch folgende zwei Grundsätze aus:
1. Jeder Schüler entscheidet selbst, was, wann und wie er lernt.
2. Es gibt eine Schulversammlung, in der jeder Schüler und jeder Erwachsene eine gleichwertige Stimme hat. In der Schulversammlung wird insbesondere über Schulregeln entschieden.
Warum heißt die Schule “Demokratische Schule X” ?
Als wir unsere Konzeption verfasst haben, haben wir die Bezeichnung “Demokratische Schule X” als Platzhalter benutzt. Später gefiel es uns ganz gut. Die Schulversammlung kann aber später der Schule einen anderen Namen geben.
Sind Demokratische Schulen in Deutschland überhaupt erlaubt?
Dass Demokratische Schulen von der jeweiligen Schulaufsichtsbehörde genehmigt werden, ist in Deutschland noch lange keine Selbstverständlichkeit. Dennoch gibt es bereits einzelne Demokratische Schule in Deutschland und sogar in Berlin. Die Konzeption der Demokratischen Schule X wurde im Juli 2010 von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Berlin genehmigt.
Wie viele Demokratische Schulen gibt es in Deutschland, in Europa und weltweit?
In Deutschland sind uns bislang sechs Demokratische Schulen bekannt: Die Freie Schule Leipzig, die Freie Demokratische Schule Kapriole in Freiburg, die Neue Schule Hamburg, die Netzwerk-Schule in Berlin-Friedrichshain, die Ting-Schule in Berlin-Pankow und natürlich unsere eigene Schule. In Europa gibt es ungefähr 20 Demokratische Schulen. Diese befinden sich in Belgien, Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz. Die genaue Zahl Demokratischer Schulen lässt sich nicht ohne weiteres ermitteln, da nicht alle Schulen bekannt sind und über viele Schulen nicht genug Informationen vorliegen, um beurteilen zu können, ob es sich um eine Demokratische Schule handelt. Weltweit dürften es aber über 100 Demokratische Schulen sein. Die Länder mit den meisten Demokratischen Schulen sind die USA und Israel.
Ist die Demokratische Schule X eine Sudbury-Schule?
Die Demokratische Schule X orientiert sich am Sudburykonzept.
Es gibt allerdings einige Besonderheiten. Jeder Schüler wählt sich unter den Mitarbeitern einen Mentor als persönlichen Ansprechpartner. Als Mittel zur Selbstevaluation können die Schüler auf Kompetenzraster zurückgreifen – sie können dieses aber auch ignorieren; Schüler werden auch an der Demokratischen Schule X nur auf Wunsch bewertet. Unterrichtskurse und andere Angebote können nicht nur von Schülern initiiert werden, sondern auch von Mitarbeitern.
An der Demokratischen Schule X können die Schüler frei über ihre Zeit an der Schule verfügen und vollständig selbst entscheiden, was sie lernen, wann und wie sie lernen. Die Schule ist nicht in Klassenstufen unterteilt, sondern komplett altersgemischt. Es gibt eine Schulversammlung, die über alle Schulregeln und auch über die Neueinstellung und Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern entscheidet. Es gibt ein Rechtssystem.
Gibt es an der Demokratischen Schulen X Unterricht? Wie sieht der Unterricht aus?
An Demokratischen Schulen gibt es Unterricht. Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig. An einigen Demokratischen Schulen werden Unterrichtsangebote gemacht, an anderen kommt Unterricht nur auf Wunsch der Schüler zustande. Unterricht kann ganz unterschiedlich stattfinden: Kurse, Projekte, offene Angebote oder auch Einzel-Lernvereinbarungen. Die konkrete Form des Unterrichts bestimmen Mitarbeiter und Schüler gemeinsam.
Wie sieht der Tagesablauf an der Demokratischen Schule X aus?
Die Tages- oder Wochenplanungen der Schüler können sehr unterschiedlich ausfallen. Es gibt flexible Ankommens- und Schlusszeiten und die Möglichkeit, Tage an außerschulischen Lernorten zu verbringen. Auch die freie Wahl der Projekte, Kurse oder sonstiger Aktivitäten führt dazu, dass jeder Schüler einen individuellen Tagesablauf hat. Jedoch gibt es wesentliche Orientierungspunkte für alle Schüler wie etwa die Schulversammlung, die jeden Dienstag und jeden Freitag stattfindet und der tägliche Mittagskreis und die Rechtsversammlung. Es gibt einige Angebote, die regelmäßig stattfinden. Donnerstags finden in der Regel Ausflüge statt.
Gibt es an der Demokratischen Schule X verbindliche Regeln?
Ja, es gibt verbindliche Regeln. Diese Regeln werden in der Schulversammlung gemeinsam beschlossen. So haben alle Schüler und Mitarbeiter die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Bestehende Regeln sind hinterfragbar und können verändert oder verworfen werden.
Sind Schüler und Mitarbeiter gleichberechtigt?
Jeder Schüler und jeder Mitarbeiter hat in der Schulversammlung eine gleichwertige Stimme. Schüler und Mitarbeiter müssen sich gleichermaßen an die Schulregeln halten. Bei Regelverstößen werden alle in gleicher Weise zur Verantwortung gezogen. Allerdings haben die Mitarbeiter aufgrund ihres Arbeitsvertrages zusätzliche Pflichten.
Warum werden die Mitarbeiter von der Schulversammlung gewählt?
Die Mitarbeiter sollen den Schülern und der Schule als ganzes dienen. Mitarbeiter in der Schule zu sein, kann somit als ein Amt aufgefasst werden. Die Mitarbeiter haben einen bedeutenden Einfluss auf die Lernprozesse und das gesamte Schulklima. Deshalb bestimmen die Schüler über die Einstellung und Entlassung von Mitarbeitern mit.
Die Demokratische Schule X ist eine Gemeinschaftsschule. Was ist das Besondere an dieser Schulform?
Eine Demokratische Schule lässt sich am besten in Form einer Gemeinschaftsschule umsetzen. Gemeinschaftsschulen bieten Schülern die Möglichkeit, vom ersten bis zum letzten Schuljahr auf derselben Schule zu bleiben. Der Übergang auf eine andere Schule nach der 6. Jahrgangsstufe entfällt. Eine Selektion in “bessere” oder “schlechtere” Schüler findet nicht statt. Es gibt bei Gemeinschaftsschulen keine Vorfestlegung, welchen Schulabschluss ein Schüler einmal erreichen kann.
Wenn alles so frei und offen ist, ist es dann überhaupt eine Schule?
Eine Schule ist ein Ort des Lernens – so auch die Demokratische Schule X. Hier stehen verschiedenste Lernmaterialien und Lerngelegenheiten zur Verfügung oder können organisiert werden.

Lernen

Lernt man an Demokratischen Schulen überhaupt etwas?
Kinder sind von Natur aus neugierig. Sie wollen Neues erlernen und sich in der sie  umgebenden Umwelt zurechtfinden. Lernen geschieht an Demokratischen Schulen oftmals in Alltagssituationen. Kinder stoßen auf neue Situationen und Themen, die sie erkunden und Anforderungen, denen sie gerecht werden wollen. Sie lernen oftmals Dinge, die in konkreten Situationen unmittelbar nützlich für sie sind.
Lernen muss nicht entlang von vorbestimmten Lehrplänen stattfinden. Erfolgreiches und nachhaltiges Lernen findet vielmehr interessegesteuert und in authentischen Kontexten statt. Zudem lernen die Kinder auch Dinge, die sie nicht unmittelbar interessieren sondern die sie benötigen, um selbstgesteckte Ziele zu verwirklichen. Da Kinder an Demokratischen Schulen nicht zum Lernen gezwungen werden und sie somit Lernen als etwas Positives erleben, bleibt ihre Neugier erhalten.
Muss ein bisschen Druck nicht sein, damit man etwas lernt?
Wenn beim Lernen von anderen Druck erzeugt wird, rücken negative Szenarien, wie Scheitern und Versagen, in den Vordergrund. Da das menschliche Gehirn Informationen nicht einfach neutral abspeichert, sondern diese mit bestimmten Gefühlen verbindet – insbesondere mit der Situation, in der man etwas gelernt hat – besteht die Gefahr, dass unter Druck Gelerntes mit negativen Emotionen verknüpft wird. Dies kann zu Abwehrreaktionen oder zur gänzlichen Abneigung gegenüber Lerninhalten führen.
Aus Druck resultierende negative Emotionen können das kurzfristige Einspreichern von Informationen fördern. Sie verhindern jedoch die angestrebte bewusste, kreative Wissenserweiterung und Problemlösung. Bei intrinsisch motiviertem Lernen (Lernen aus eigenem Antrieb), hat der Lernende selbst die Möglichkeit sich Drucksituationen – wie beispielsweise einer Theateraufführung vor großem Publikum – auszusetzen. Er hat einen Einfluss auf das Maß an Druck und stellt sich Herausforderungen entsprechend seiner Kenntnisse und Fähigkeiten.
Gibt es Noten oder verbale Bewertungen?
Es gibt keine Noten und keine andere ungefragte Bewertung. Wenn Schüler Rückmeldungen wünschen, stehen die Mitarbeiter hierfür zur Verfügung.
Vom Schüler nicht gewünschte Bewertungen beeinträchtigen sein interessegesteuertes Lernen. Wenn die Bewertung des Lehrers im Vordergrund steht, tendieren Schüler dazu, für eine gute Bewertung des Lehrers und nicht aus Interesse zu lernen. Extrinsische, von außen kommende Motivation führt zu einem Rückgang der intrinsischen, von innen kommenden Lernmotivation. Insbesondere negative Bewertungen können zu einem Verlust des Interesses am jeweiligen Thema führen.
Bei fremder Bewertung legt der Bewertende den Maßstab fest. Dieser entspricht jedoch nicht unbedingt den Zielen, die sich der Schüler selbst gesetzt hat.
Zudem führt fremdbestimmte Bewertung – insbesondere die Vergabe von Schulnoten – nicht zu einer objektiven Leistungseinschätzung der Schüler. Dies zeigen zahlreiche Studien, die erkennen lassen, welch großen Anteil subjektive Einflussfaktoren bei der Beurteilung von Schülerleistungen haben (beispielsweise “halo-effect”, d.h. Erwartung, dass ein in einem bestimmten Fach guter Schüler auch in anderen Fächern gut ist; “Perseverationstendenz”, d.h. Festhalten an einer einmal erteilten Note; Einfluss von Sympathie und Antipathie; geschlechtsspezifische Beurteilung; Tendenz, bei guten Schülern Fehler zu übersehen; Beeinflussung durch Vorinformationen und durch persönliche Vorurteile). Ebenso ist Fremdbewertung ungeeignet als Feedback. Konstruktives Feedback setzt voraus, dass die Rückmeldung des Lehrers nicht generell gewichtiger ist als die Selbsteinschätzung des Schülers.
Wie können die Schüler ihre Leistungen und Kompetenzen einschätzen?
Schüler merken meist selbst, welche Dinge sie können und welche nicht. Sie stellen fest, ob ihnen ihre Vorhaben gelingen. Oder sie schätzen sich selbst ein, indem sie sich mit anderen in Beziehung setzen. Eine natürliche Prüfungssituation ergibt sich zum Beispiel dann, wenn man anderen etwas erklärt oder von etwas berichtet. Dabei merkt man automatisch, ob man es verstanden hat. Durch die Lernbedingungen an der Demokratischen Schule X – individuelle Lernvereinbarungen, Lernen in kleinen Gruppen und den hohen Stellenwert des informellen Lernens – besteht viel Raum für individuelle und unmittelbare Rückmeldungen. Als Mittel zur Selbsteinschätzung stehen Kompetenzraster für alle gängigen Unterrichtsfächer zur Verfügung.
Nach welchem Lehrplan lernen die Schüler?
Es gibt keinen Lehrplan, der für alle Schüler verbindlich ist. Vielmehr lernt jeder das, wofür er sich entscheidet. Er muss sich nicht im Vorhinein auf bestimmte Themen festlegen, sondern kann auch spontan entscheiden. Einen Überblick über die Inhalte der gängigen Unterrichtsfächer können die Schüler Kompetenzrastern entnehmen. Wenn sich ein Schüler entschließt, einen Schulabschluss zu machen, oder wenn der Wechsel auf eine herkömmliche Schule bevorsteht, dienen die Berliner Rahmenlehrpläne zur Orientierung.
Müssen Schüler nicht wenigstens Lesen, Schreiben und Rechnen lernen?
Lesen, Schreiben und Rechnen sind zweifellos wichtige Fähigkeiten. Sie sind aus unserer Welt nicht wegzudenken. Daher sind Kinder aber auch in der Schule ständig mit Buchstaben und Zahlen konfrontiert.
Schüler wollen früher oder später Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, weil es für sie unmittelbar nützlich ist. Zumeist passiert das Lernen beiläufig, wie von selbst, während die Schüler zum Beispiel ganz andere Ziele verfolgen oder sich ihren Interessen gemäß beschäftigen: Computerspiele spielen, Beschwerdezettel für die Rechtsversammlung ausfüllen, die Tagesordnung für die Schulversammlung lesen oder ergänzen, Abstimmungsergebnisse ermitteln.
Die Erfahrung anderer Demokratischer Schulen zeigt, dass alle Kinder letztendlich Lesen und Schreiben lernen, wenn auch nicht alle im gleichen Alter. Manche Kinder lernen es bereits mit 4 Jahren, andere erst mit 9 oder 10 Jahren. Aber sobald sie lesen können, merkt man ihnen nicht mehr an, in welchem Alter sie es gelernt haben. Einige der späten Leser werden Bücherwürmer und einige der frühen Leser begnügen sich damit, die Fähigkeit zu haben, ohne viel Gebrauch von ihr zu machen.
Besteht die Gefahr, dass Schüler sich mit bestimmen Fächern überhaupt nicht beschäftigen?
Ja, das kann passieren. Gleiches geschieht aber auch an herkömmlichen Schulen. Denn die Auswahl der angebotenen Fächer in herkömmlichen Schulen kann durchaus als willkürlich bezeichnet werden. Wichtige Themengebiete wie Recht, Psychologie, Philosophie, Pädagogik, Wirtschaft und Verbraucherschutz sind dort in der Regel massiv unterrepräsentiert. An herkömmlichen Schulen wird ohne weiteres hingenommen, dass Schüler diese Themengebiete nicht lernen.
Wenn Schüler sich mit Themen beschäftigen, für die sie sich nicht interessieren, bedeutet das nicht, dass sie die entsprechenden Inhalte nachhaltig lernen. Viele Schüler lernen nur für die nächste Klausur und vergessen die Inhalte dann. Letztendlich gibt es viele Wissensgebiete, mit denen Schüler herkömmlicher Schulen nicht in Berührung kommen. Da Schüler Demokratischer Schulen nicht zum Lernen gezwungen wurden, bleiben sie den entsprechenden Inhalten gegenüber aufgeschlossen, während viele Schüler herkömmlicher Schulen von den Inhalten, für die sie sich nicht interessiert haben und die sie dennoch lernen sollten, nichts mehr wissen wollen.
Müssen für bestimmte Fachgebiete nicht frühzeitig die Grundlagen gelegt werden?
Grundsätzlich ist jeder Mensch zu individuell verschiedenen Zeitpunkten für bestimmte Themen aufnahmefähig. Wenn Lernen nachhaltig und effektiv sein soll, ist es wichtig, Kinder nicht unter Druck zu setzen, sondern zu warten, bis sie aufnahmebereit sind und Interesse an den Grundlagen haben. Es ist nicht hilfreich, frühzeitig pauschal Grundlagen für Themenbereiche zu vermitteln, die für die Schüler (noch) nicht bedeutsam sind.
Die Erfahrung an anderen Demokratischen Schulen zeigt, dass Schüler den Unterrichtsstoff mehrerer Jahre in einigen Wochen lernen können, wenn sie an einem Thema interessiert sind.
Die Mitarbeiter werden nicht alles können und kennen, was Schüler lernen und wissen wollen. Was dann?
Es ist unmöglich, innerhalb einer Schule Experten für alle denkbaren Themenbereiche zu  haben. Jedoch stehen den Schülern eine Vielzahl unterschiedlichster Informationsquellen zur Verfügung: Sachbücher, Lehrbücher, das Internet, aber auch außerschulische Lernorte wie Museen, Bibliotheken, Betriebe oder der Wald. Die Mitarbeiter unterstützen die Schüler bei der Erschließung dieser Ressourcen.
Wenn ein Schüler ein spezielles Interesse hat, kann er zudem mit einem Antrag in der Schulversammlung entsprechende Experten engagieren.
Sind Schüler denn nicht überfordert, wenn sie selbst bestimmen sollen, was sie lernen?
Der Frage liegt die Annahme zugrunde, dass Erwachsene einschätzen können, welche Lerninhalte zu einem bestimmten Zeitpunkt für die Schüler wissenswert sind.
Wissenswert sind Lerninhalte, wenn sie an die Interessen und an die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen anknüpfen. Ob dies zutrifft, können nur die Schüler selbst beurteilen und entscheiden. Erwachsene können Kindern und Jugendlichen hinsichtlich möglicher Lerninhalte Anregungen geben und diese beraten. Kinder und Jugendliche sind nicht völlig sich selbst überlassen, sondern können sich auch an den anderen Schülern und Erwachsenen orientieren oder an bestehenden Kursen teilnehmen. An der Demokratischen Schule X stehen den Schülern zudem Mentoren zur Verfügung, die ihre Lernprozesse individuell begleiten.
Die Basis für Lernprozesse ist die natürliche Fähigkeit, Anregungen selbstbestimmt anzunehmen, um sie zu modifizieren oder zu verwerfen. Bei der Selbstbestimmung von Lerninhalten kann also nicht von einer Überforderung die Rede sein, sondern vielmehr von einer natürlichen Voraussetzung für das Lernen.
Woher wissen die Schüler, was man alles lernen kann?

Lernbereiche ergeben sich oftmals aus der Notwendigkeit, bestimmtes Wissen oder bestimmte Fertigkeiten zu erlangen, um in alltäglichen Lebenssituationen und in der Interaktion mit anderen zurecht zu kommen. Auf weitere Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man erlernen kann, stoßen Kinder und Jugendliche aufgrund persönlicher Interessen, denen sie nachgehen und sich dabei tiefergehend mit Themen befassen. Schüler und Mitarbeiter, die Experten auf einem Gebiet sind, inspirieren dabei wiederum andere. Genauso können Schüler in Gesprächen untereinander und mit Mitarbeitern mit neuen Themen in Berührung kommen. Da die Demokratische Schule X nicht an die staatlichen Lehrpläne gebunden ist und eine prinzipielle Offenheit für die verschiedensten Themenbereiche besteht, können die Schüler mit ganz besonderen Themen in Kontakt kommen.

Schüler können die Kompetenzraster nutzen, um sich einen Überblick über die Themen innerhalb eines Fachgebiets zu verschaffen.

Warum gibt es eine Altersmischung von der ersten bis zur zehnten Klasse?
Das Interesse für ein bestimmtes Thema ist nicht vom Alter abhängig. Daher können sich auch Lerngruppen bilden, die ein vergleichsweise großes Altersspektrum umfassen. Es soll niemand aufgrund seines Alters ausgeschlossen werden.
Die vollständige Altersmischung ergibt sich auch dadurch, dass Schüler selbst entscheiden können, was sie lernen und somit auch, zu welchem Zeitpunkt in ihrem Leben sie bestimmte Dinge lernen. Es ist nie zu früh oder zu spät, um sich mit einem Thema zu beschäftigen.
Es gibt Schulen, in denen eine begrenzte Altersmischung praktiziert wird: 1-3. Klasse, 4.-6. Klasse etc. Dies führt jedoch dazu, dass Drittklässler das ganze Schuljahr lang immer zu den ältesten ihrer Gruppe gehören und Viertklässler immer zu den jüngsten ihrer Gruppe. Bei vollständiger Altersmischung werden Drittklässler auch mit Schülern im 4. und 5. Schuljahr zu tun haben und sind somit nicht stets die ältesten Schüler. Und Schüler im 4. Schuljahr werden auch mit jüngeren Schülern gemeinsam Zeit verbringen.
Benötigen nicht gerade jüngere Schüler feste Strukturen?
Zum einen gibt es Strukturen an der Demokratischen Schule X, die allen Schülern Orientierung bieten. Hierzu zählt die regelmäßig stattfindende Schulversammlung, der Mittagskreis oder die Rechtsversammlung, sowie das Öffentlich- und Zugänglich-Machen von Lernangeboten und sonstigen Aktivitäten an der Schule. Zum anderen sind auch jüngere Schüler in der Lage, Bedürfnisse nach Struktur zu äußern und eine entsprechende Umsetzung einzufordern. Dies können Rituale, Lernvereinbarungen und Kurse sein. Der Mentor kann Schülern helfen, solche Strukturen zu entwickeln.
Nach der Erfahrung anderer Demokratischer Schule kommen insbesondere jüngere Schüler mit der freien Verfügung über ihre Zeit gut zurecht; sie sind nahezu pausenlos aktiv. Es sind eher die älteren Schüler, die schon viele Jahre in herkömmlichen Schulen verbracht haben, die Probleme mit der Freiheit haben.
Welche Abschlüsse können Schüler an der Demokratischen Schule X erwerben?
In Deutschland können nur staatlich anerkannte Schulen Schulabschlüsse vergeben. Die Demokratische Schule X hat den Status einer genehmigten Schule und nicht die staatliche Anerkennung, die für die Vergabe von Schulabschlüssen notwendig ist.
Die Schüler der Demokratischen Schule X werden auf den Mittleren Schulabschluss bzw. den Übergang in die gymnasiale Oberstufe vorbereitet, wenn sie dies wollen. Die MSA-Prüfungen werden jedoch nicht durch die Lehrer der Demokratischen Schule X abgenommen sondern durch externe Prüfer.
Wie werden Schüler auf einen Schulabschluss vorbereitet?
Wenn Schüler sich auf einen Abschluss vorbereiten wollen, können sie sich an ihren Mentor und an alle anderen Mitarbeiter wenden. Dann kann gemeinsam anhand der Kompetenzraster, der Rahmenlehrpläne und mittels Vergleichsarbeiten aus früheren Jahren geplant werden, was für den Abschluss noch gelernt oder vertieft werden muss. Die Schüler können sich alleine vorbereiten oder in Gruppen lernen. Sie können mit oder ohne Mitarbeiter lernen. Die Mitarbeiter an der Demokratischen Schule X verfügen über die didaktischen, methodischen und fachlichen Kenntnisse, die zur Prüfungsvorbereitung notwendig sind.

Mitbestimmung

Was ist die Schulversammlung?
Die Schulversammlung ist das beschlussfassende Gremium der Schule. Sie trifft sich mindestens ein Mal pro Woche und besteht aus allen Schülern und allen, die an der Schule als Mitarbeiter tätig sind. Entscheidungen werden durch Mehrheitsbeschluss gefällt. Jeder Schüler und jeder Mitarbeiter hat dabei eine Stimme.
Worüber entscheidet die Schulversammlung?
Die Schulversammlung regelt alle Angelegenheiten der Schule. Dazu zählen die Regeln für das Zusammenleben in der Schule, die Verwendung des der Schule vom Verein zugewiesenen Budgets, die Entscheidung, welche Mitarbeiter künftig an der Schule tätig sein sollen, Beschlüsse über Neuanschaffungen und die gesamte Schule betreffende Unternehmungen. Die Schulversammlung kann einzelne Aufgaben und Befugnisse an einzelne Mitglieder oder kleine Gruppen delegieren, indem sie Zuständige benennt und Komitees und Arbeitsgemeinschaften gründet.
Müssen die Schüler an der Schulversammlung teilnehmen?
Die Teilnahme an der Schulversammlung ist freiwillig. Die Tagesordnung der Schulversammlung wird rechtzeitig bekannt gegeben, so dass man bereits vorher einschätzen kann, ob einen die Themen interessieren oder nicht.

8 Kommentare

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  1. Julia Tham

    Bin ganz aufgeregt, dass es so relativ nah zu unserem Wohnort solch eine Schule gibt. Meine Jüngere Tochter wird 2013 schulplichtig. Ich kenne eine dänische Lille School, euer Konzept erinnert mich ein wenig daran. Ich bin grad hoffnungsvoll.

  2. Anton Esmes

    Anliegend zwei Schlaglichter der obigen Ausführungen:

    “Gibt es an der Demokratischen Schulen X Unterricht? Wie sieht der Unterricht aus? An Demokratischen Schulen gibt es Unterricht. Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig. An einigen Demokratischen Schulen werden Unterrichtsangebote gemacht, an anderen kommt Unterricht nur auf Wunsch der Schüler zustande.”

    Das in Bezug auf eine Schule als angeblich häufig gestellte Frage diejenige nach dem Stattfinden von Unterricht aufgeführt wird lässt tief blicken und führt das Konzept und die Institution “Schule” völlig ad absurdum. Die Verantwortlichen werden wohl zustimmen dass man auch kein Restaurant betritt und als erstes fragt ob dort auch Essen serviert wird. Dieses darf man wohl ungefragt voraussetzen, denn sonst ist es wohl kaum ein Restaurant.

    “Die Demokratische Schule X hat den Status einer genehmigten Schule und nicht die staatliche Anerkennung, die für die Vergabe von Schulabschlüssen notwendig ist.”

    Um es zusammen zu fassen handelt es sich also offiziell um eine Schule, in der aber im Zweifel kein Unterricht stattfindet. Noten gibt es auch grundsätzlich nicht. Und einen Abschluss haben dieKinder am Ende auch nicht vorzuweisen, da keine Abschlüsse vergeben werden dürfen. Wieder sollten sich die Verantwortlichen fragen, ob sie selbst das System hätten durchlaufen wollen, das sie jetzt propagieren und vor allem ob sie dann in der Position wären, in der sie heute sind.

    Vor diesem Hintergrund sehe ich die Idee, wenn sie auch zunächst sehr zukunftsweisend klingen mag, äußerst kritisch.

  3. Robert

    Nach meiner Auffassung ist es auch nicht wichtig das die Schüler einen Abschluss haben.
    Soziale, emotionale und fachliche Kompetenz sollten im Leben zählen.
    Der Herr Esmes hat sich scheinbar nur oberflächlich mit den Konzepten, Erfolgen und Ergebnissen der freien und demokratischen Schulen auseinander gesetzt.

  4. Jeanette Schirrmann

    Ich gratuliere euch und bezugnahme auf den letzten Kommentar:
    Ich bin froh das ich meine Abschlüsse habe und als Kind der freien Schule ist es erschwert akzeptanz zu finden ohne Abschlüsse und leicht wird man in Bildungsferner gesellschaften abgestempelt,trotz Bildung und nicht ernst genommen.
    Hinzu Kommt,das es sehr bequem war für unsere Lehrer-im Bio hatten wir über raucher und Nichtraucher diskutiert 1982 und schmissen die Lehrer raus -gründeten die sogenannte Schülerschule und das kostete unseren eltern 150,-DM.In der damaligen Zeit hätten wir auch eine eigenen Raum anmieten können.
    Aus den meisten von uns ist was geworden ,doch wir mussten fleißig strebsam uns alleine auf die Abschlüsse vorbereiten und das kann schwerer sein auf dem zweiten Bildungsweg oder externe Prüfung vor dem Schulsenat als auf den ersten.
    Aus der Perspecktive einer freien schülerin aus der schüler-Schule der 80ziger jahre und ich musste ganz schön Kämpfen und Rational und Unemotional an die aufgaben rangehen und MATHE ÜBEN-SELBSTÄNDIG LERNEN:

  5. Juergen

    Hallo Jeanette,

    es stimmt, diese Gesellschaft schaut immer noch mehr auf Abschlüsse, als auf den Menschen. Allerdings haben freie Menschen auch oft eine gewisse Gabe, genau das zu bekommen, was sie wollen, weil sie lange schon die Scheuklappen abgelegt haben und sich über Jahre daran gewöhnt haben, für Dinge, die sie gern hätten, einzustehen, und ganz eigene Wege zu suchen.

    An der Demokratischen Schule X kann man allerdings wie an jeder anderen Gemeinschaftsschule einen mittleren Schulabschluss (MSA) erwerben, lediglich die Prüfungen werden als Externenprüfung an einer staatlichen Schule abgenommen.

    viele Grüße,
    Jürgen
    Demokratische Schule X

  6. Hallo allerseits!

    Ich sage es mal so: grundsätzlich vom Namen “schule” her empfinde ich das genauso wie weiter oben gesagt – eigentlich gibt es in einer Schule “Unterricht” – aber dabei vergesse ich immer wieder, was Schule früher hieß: Muße, und Nicht-Muße war die Bezeichnung der (Sklaven)arbeit…
    Zusätzlich merke ich an, dass eine solche Form von Schule wie die der DSX seitens vieler Beteiligter auch etwas von “Fluchtpunkt” oder Puzzlestein im alternativen Gesamtlebensentwurf für manche Familien und Mitwirkende ist (ggf. sehr stark).
    So dass sich dort Leute finden oder treffen, die eigentlich gegen die in Deutschland schier unumstößliche Doktrin einer Schulbesuchspflicht sind – und an solchen Orten die größtmögliche Freiheit bei kleinstmöglichem Zwang sowie niederschwelligen Angeboten für jeden Fortbildungswillen gestalten möchten.

    Ich etwa hätte bei anderer Gesetzeslage und Praxis kein Problem gehabt, sondern eher die Neugier, eine Schule vor der Haustür mit meinem Kind auszuprobieren oder mitzugestalten. Die Lehrer hätten auch ruhig ihr Angebot machen können – dann wäre es halt ein Angebot, das man annehmen oder ablehnen kann auf freier Basis – wie bei einem Karatekurs oder Klavierstunden… aber es wäre straffrei, es nicht oder nicht vollständig anzunehmen, wenn es aus welchen Gründen auch immer “nicht passt”.

    Aber da dem nicht so ist per Gesetz, nutzte ich den größtmöglichen Freiraum, den ich fand und mit meinen eigenen Möglichkeiten vereinbaren konnte und mein Sohn wollte nach der Probewoche gleich dort eingeschult werden und die wohnortnahe Schule gar nicht erst ausprobieren.

    Ich verlange nicht, dass die Schule meinem Kind “lesen, schreiben und rechnen beibringt”. Diese Dienstleistung kann mancher (wie ich) im Zweifel selbst bieten (und auch an vielen Regelschulen sind besorgte Eltern, die daheim fleißig üben mit dem Kind, also warum darf und kann ich das nicht auch? Es gibt vielleicht auch Eltern, die sich auch mal eher als natürliche Mentoren fühlen denn als Freizeitkasper oder als Freizeitgeldverdienkapser für ihre Kinder.
    Wer sagt, dass alle Eltern es der Schule überlassen (müssen!), Lesen und Schreiben zu vermitteln, aber in der Freizeit jemanden bezahlen, der Musik und Sport macht oder am Computer beaufsichtigt? Es sei ferner darauf verwiesen, wie viele Kinder Nachhilfe nehmen, die in die wenigen Nachmittagsstunden komprimiert gepackt wird, weil die Vormittagsstunden dafür verboten sind… wogegen mein Kind seine Lehrer als Begabtenförderung oder Nachhilfe jederzeit “buchen” darf.
    Es gibt Eltern, die nur das abdelegieren, was ihnen zu viel ist, die nicht danach gehen was “üblich ist” (Lesen beibringen!). Eltern, die berherzt das weitergeben, was ihnen selbst am herzen liegt (Bsp. LESEN) und für das “Betreuen, wenn sie selbst verhindert sind” weniger konrete Erwartung haben (außer dass es sicher, fair und freundlich zugeht in der Freiheit) – und dabei vielleicht positiv überrascht werden, wenn das Kind in ihrer Abwesenheit bei anderen Erwachsenen neue Seiten entdeckt, die sie selbst kaum oder gar nicht fördern können.

    Liebe Grüße,
    Frigga

  7. Konventionell handeln für sich und ggf. die eigenen Kinder (aus Einsicht, Überzeugung, Gewohnheit) ist das eine, unfreiwillig in ein konventionelles Raster gedrängt zu werden oder andere darein zu drängen, ist Gewalt!

    Der Wert der Möglichkeit zum NEIN-Sagen wird oft vergessen.
    Meine Freiheit liegt nicht darin, zu tun was ich will, sondern nicht tun zu müssen was ich nicht will.
    Ohne die Möglichkeit eines grundsätzlichen Verzichtens hat das beste Bildungsangebot einen bitteren Beigeschmack und erweckt (in zahlreichen Einzelfällen) unnötig aufreibende Rebellionskräfte.
    Aus einer realen (Lebens)notwendigkeit zu lernen (und sei die eine verlangte Prüfung als zugang zu beruflichen Chancen), ist die größte Motivation und hat ggf. den größten Nutzen für andere.
    “Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer .”

  8. Juergen

    Hallo Frigga,

    das ist das interessante – erst, wenn man Schule als Ort sieht, an dem ich sein kann, wer ich will, dann kann ich erst die meine spannenden Seiten entdecken! Wobei viele das gar nicht so in der Tragweite realisieren, wie du es geschrieben hast. Tatsächlich lernen praktisch alle, früher oder später, lesen und schreiben, oft wissen sie nur gar nicht mehr, wie sie es eigentlich gelernt haben, weil es spielerisch passierte. Ich kann mir gar keinen Erstklässler vorstellen, der es vorziehen würde, mit 27 anderen Kindern in einem Raum versammelt Lesen zu lernen, anstatt mit dem besten Freund über einem Comic zu schmökern, und sich dabei die ersten Buchstaben erklären zu lassen – hinterher wird er sich nur daran erinnern, viel Freizeit gehabt zu haben, und irgendwie kam das Lesen dann ganz von allein :-)

    viele Grüße!
    Jürgen
    Demokratische Schule X

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