Was ist die Demokratische Schule X?

Kinder sind von Natur aus neugierig. Kinder wollen lernen. Sie wollen die Welt, die sie umgibt, begreifen und sich in ihr zurechtfinden. Deshalb ist es weder nötig noch sinnvoll, Kinder zum Lernen zu zwingen oder zu überreden. An der Demokratischen Schule X entscheidet jeder Schüler selbst, was, wann und wie er lernt.

Denn Lernen und Unterrichtwerden sind zwei verschiedene Dinge. Lernen ist eine aktive Tätigkeit des Lernenden, während Unterricht eine Veranstaltung des Lehrers ist. Unterrichtetwerden führt nicht automatisch zu Lernen und Lernen findet bei weitem nicht nur durch Unterricht statt. Ein Großteil des Lernens findet außerhalb und unabhängig von Unterrichtssituationen statt, beim Spielen, durch Gespräche über alle möglichen Themen, durch Bücher, Zeitschriften und anderen Medien oder indem Kinder etwas ausprobieren, anderen zuschauen, sich etwas von ihnen erklären lassen oder etwas mit ihnen gemeinsam machen. Lernen ist nicht vom sonstigen Leben getrennt, sondern findet in Alltagssituationen statt.  Unterrichtskurse spielen an der Demokratischen Schule X deshalb keine so herausragende  Rolle wie an herkömmlichen Schulen. Sie sind eine Lernmöglichkeit neben vielen anderen.

Die Erwachsenen an der Demokratischen Schule X verstehen sich nicht in erster Linie als Lehrende. Sie sind eher Lernbegleiter. Die Erwachsenen stehen nicht über den Schülern, sondern auf einer Ebene mit ihnen. In der Demokratischen Schule X hat jeder Schüler einen Mentor, d.h. einen Erwachsenen als persönlichen Ansprechpartner, mit dem er sich regelmäßig austauscht.

Wie auch im sonstigen Leben findet in der Demokratischen Schulen X keine strikte Aufteilung der Schüler nach Altersjahrgängen statt. Kinder und Jugendliche lernen, spielen und unternehmen etwas gemeinsam, weil sie ein gemeinsames Interesse haben – nicht weil sie das gleiche Alter haben. Oft ist es für Kinder leichter, von anderen Kindern zu lernen, die ihnen zwar auf einem bestimmten Gebiet ein Stück voraus sind, aber auf anderen Gebieten mit den gleichen Schwierigkeiten wie sie selbst zu kämpfen haben oder noch vor kurzem zu kämpfen hatten. Erwachsene sind den Kindern oft so weit voraus, dass sie schon nicht mehr dieselbe Sprache sprechen.

An der Demokratischen Schule X gibt es kein Sitzenbleiben und keine Noten. Es gibt keine verpflichtenden Leistungstests oder Prüfungen. Durch Gespräche und den Austausch mit anderen Schülern lernt der Einzelne jedoch ziemlich genau seine Fähigkeiten einzuschätzen. Am Ende der Schulzeit ist es jedoch möglich, Schulabschlüsse durch die Teilnahme an den staatlichen Abschlussprüfungen zu erwerben. Zur Orientierung und für die Vorbereitung auf Abschlussprüfungen stehen Kompetenzraster für alle herkömmlichen Schulfächer zur Verfügung, mit deren Hilfe sich die Schüler selbst einschätzen können.

In der Demokratischen Schule X gibt es als zentrales Entscheidungsgremium die Schulversammlung, die wöchentlich tagt. Dort wird u.a. über die Einführung oder Änderung von Schulregeln entschieden sowie nahezu über alles andere, was den Schulalltag betrifft. In der Schulversammlung hat jeder Schüler und jeder Mitarbeiter eine gleichwertige Stimme. Da es mehr Schüler als Erwachsene gibt, haben effektiv die Schüler die Kontrolle über ihre Schule.

Die gemeinschaftlich beschlossenen Regeln gelten sowohl für Schüler als auch für Mitarbeiter. So hat auch jeder gleichermaßen das Recht, sich über Regelverletzungen beim Rechtskomitee zu beschweren. Dieses Komitee geht den Beschwerden nach und ist berechtigt, gegebenenfalls Sanktionen zu verhängen.

2 Kommentare

  1. Marie Kästner

    Hallo,
    ich konnte den Beschreibungen leider nicht entnehmen, welche konkreten Schulabschlüsse an der Demokratischen Schule möglich sind und ab wie viel Jahren die SchülerInnen aufgenommen werden?

  2. Martin Wilke

    Es werden Schüler im schulpflichtigen Alter aufgenommen.
    Da die Demokratische Schule X nicht den Status einer anerkannten, sondern nur einer genehmigten Schule hat, darf sie nicht selbst staatliche Schulabschlüsse vergeben. Die Schüler werden jedoch bei der Vorbereitung auf externe Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss (MSA) unterstützt. Mit dem MSA können sie dann an eine Schule mit gymnasialer Oberstufe wechseln.